Hartmut Ebbing

Kulturpolitische Aufarbeitung des Kolonialismus

Koloniale Ausstellung im Africa-Museum Brüssel

Die letzten Wochen im März und April hatten es in sich! 

Vier Sitzungswochen in fünf Wochen. Das bedeutet nicht nur eine Menge Termine und Sitzungen für uns Abgeordnete des Deutschen Bundestages, sondern auch eine außerordentliche Herausforderung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Termine und Sitzungen vorbereiten und Initiativen im Akkord entwerfen müssen.

Doch trotz der Flut an Treffen und Sitzungen gibt es Termine, auf die man Wochen im Voraus gespannt ist.

Ein solcher Termin war für mich die öffentliche Anhörung des Kulturausschusses am 03. April zur Aufarbeitung des kolonialen Erbes, welche bezugnehmend auf einen von mir initiierten Antrag der Fraktion der Freien Demokraten und einen Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen stattfand.

Bei einer öffentlichen Anhörung sind neben den Mitgliedern des Kulturausschusses, Fraktions- und Abgeordnetenmitarbeitern und Vertretern der Bundesregierung sowohl Journalisten und interessierte Bürger als auch Fachleute geladen. Diese Fachleute haben zu Beginn die Möglichkeit, in einem kurzen Eingangsplädoyer ihre Sicht auf die Dinge darzulegen und sich dann in mehreren Runden den Fragen der Abgeordneten zu stellen. 

Die Ansetzung der öffentlichen Anhörung und die Aktivitäten der Bundesregierung und der im Bundestag vertretenden Parteien verdeutlichen die Wichtigkeit der Thematik und rücken neben dem Umgang mit kolonialen Kulturgütern auch den prinzipiellen Umgang mit unserer kolonialen Vergangenheit in den Vordergrund. 

Denn auch in den „Deutschen Schutzgebieten“ wurden unzweifelhaft diverse Verbrechen an der indigenen Bevölkerung verübt sowie großflächig afrikanische, ozeanische und chinesische Kulturgüter geraubt. Viele von diesen lassen sich heuten noch in deutschen Museen und Kultureinrichtungen bestaunen. 

Trotz der immensen Wichtigkeit dieser Thematik fehlt der Bundesregierung bei der Restitution von kolonialen Kulturgütern jegliche Strategie! Wir als Fraktion der Freien Demokraten im Deutschen Bundestag fordern daher ein Umdenken und einen nachdrücklichen Mentalitätswandel in den deutschen Museen. 

Denn wir sollten im Schatten unserer eigenen Kolonialgeschichte auf Augenhöhe mit den Anspruchsberechtigten aus den Herkunftsländern über mögliche Lösungen und Verfahrensweisen zur Restitution beraten.

Den kompletten Antrag der Fraktion der Freien Demokraten im Deutschen Bundestag finden Sie hier: https://www.bundestag.de/resource/blob/631578/5b3e550e1f1a60ea546d41e26198c27a/19_8545-data.pdf

Leider bot die öffentliche Anhörung aufgrund der begrenzten Redezeit und des statischen Formates wenig Raum für tiefergehende Diskussionen und wirkliches Debattieren von Lösungsansätzen.

Umso mehr freute es mich, dass die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit am Abend nach der Ausschusssitzung noch eine Podiumsdiskussion zum selben Thema organisiert hatte. An dieser nahm ich nach der Landesausschusssitzung der FDP Berlin noch als Zuhörer teil und freute mich, auch die Meinung des namibischen Botschafters zum Umgang mit kolonialen Kulturgütern zu hören.

Beim anschließendem Get-together konnte ich dann im Gespräch mit dem namibischen Botschafter und den weiteren Gästen der Diskussionsrunde die Diskussion vertiefen und so den intensiven inhaltlichen Austausch an diesem Tag abrunden. 

Die Osterwochen bieten nun etwas Zeit zur Erholung, bevor es am letzten Aprilwochenende mit dem Bundesparteitag der Freien Demokraten in Berlin weiter geht. 

Auch der Europawahlkampf nähert sich der heißen Phase, so dass ich und alle engagierten Mitglieder und Unterstützer der Freien Demokraten um jede Stimme kämpfen werden. 

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den neuen Monat.

Herzliche Grüße

Hartmut Ebbing, MdB