Hartmut Ebbing

Vergebene Chance am Kulturforum

Kulturforum in Berlin, Portalbereich der Gemäldegalerie, des Kupferstichkabinetts, der Kunstbibliothek und des Kunstgewerbemuseums

In der gestrigen Sitzung des Haushaltsausschusses wurden weitere knapp 250 Mio. Euro für den Bau des sogenannten „Museums der Moderne“ freigegeben. Die Bundesregierung schmeißt damit nicht nur das Geld zum Fenster raus, sondern vergibt auch die Chance den Platz endlich durch Umstrukturierung und durch eine zusätzliche Anbindung an den ÖPNV mit neuem Leben zu erfüllen.

Noch im September hat die FDP-Bundestagsfraktion einen Antrag beschlossen, der den Bau des Museums der Moderne an der Potsdamer Straße vorerst stoppen sollte. Ziel des Antrags war die Ausarbeitung eines Masterplans für das gesamte Kulturforum. Denn der Neubau löst die strukturellen Probleme am Kulturforum nicht, sondern droht zu weiterem Stückwerk am Kulturforum zu führen. Ein gesamtheitliches Konzept, das das Kulturforum endlich zu neuem Leben erweckt hätte, fehlt diesem Entwurf gänzlich. Auch die Kosten sind vollkommen aus dem Ruder gelaufen. In 2013 hatte der Chef der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Prof. Dr. Hermann Parzinger, noch 10.000 qm an der Siegesmundstraße für 130 Mio. Euro gefordert. Ein Jahr später genehmigte der Haushaltsausschuss diese Summe zzgl. eines großzügigen Puffers. Frau Grütters machte sich aber bereits am nächsten Tag für eine Standortverlegung hin zur Potsdamer Straße und eine Erweiterung des Gebäudes um 4.000 qm stark, unter dem Vorwand dies noch innerhalb des vom Haushaltsausschuss genehmigten Kostenrahmens bewerkstelligen zu können. In dem Entwurf, der der heutigen Entscheidung des Haushaltsausschusses zugrunde liegt, hat Frau Grütters die Gesamtgröße nochmals um weitere 2.000 qm auf über 16.000 qm eigenmächtig erhöht. Dies führt natürlich zwangsläufig zu einer weiteren Kostenerhöhung von 66 Mio. Euro. Da ein Mindestabstand zur Matthäikirche gehalten werden muss, muss zur Erreichung dieser Fläche weiter in die Tiefe gebaut werden. Dies kostet weitere 30 Mio. Euro. Bislang konnte uns noch niemand erklären, weshalb das Museum nicht einfach den ursprünglichen Plänen entsprechend kleiner gebaut werden könnte. Dies würde den Steuerzahler vermutlich über 100 Mio. Euro günstiger zu stehen kommen. Leider hat der Haushaltsausschuss in seiner gestrigen Sitzung diese kritischen Fragen aus uns unerklärlichen Gründen nicht gestellt und das Projekt ohne weitere Prüfung durchgewinkt.

Neben dieser enormen Kostensteigerung löst der überarbeitete Entwurf der Architekten Herzog & de Meuron vielleicht die Probleme der Neuen Nationalgalerie, nicht aber die Grundprobleme des Kulturforums. Der Plan der Schweizer Architekten sieht weder einen zentralen Eingang für das gesamte Kulturforum vor, noch führt er zu einer entscheidenden, dringend benötigten Verbesserung der verkehrstechnischen Anbindung an den Potsdamer Platz. Auch die Piazetta im Zentrum des Kulturforums hat sich nicht bewährt und muss überdacht werden. Die Zerstückelung des Kulturforums bleibt weiterhin bestehen. Darüber hinaus gibt der Entwurf auch keinerlei Antworten auf die gravierenden strukturellen Probleme der Bestandsbauten am Kulturforum. Der Neubau wird zum Beispiel die desaströse Depotsituation der zahlreichen Einrichtungen nicht im Ansatz lösen. Ganz im Gegenteil, die enorme Steigerung der Kosten für den Neubau wird dazu führen, dass dieses Geld an anderen, viel dringender benötigten Stellen des Kulturforums unweigerlich fehlen wird.

Ein Erweiterungsbau für die Neue Nationalgalerie ist wichtig. Aber dieser Neubau müsste mit deutlich geringeren Mitteln auskommen können und mit einer umfänglichen Neugestaltung des Kulturforums einhergehen. Die Bundesregierung vergibt an dieser Stelle eine Chance.