Hartmut Ebbing

Dienstreise nach Großbritannien

Waddesdon Manor mit der dortigen Sammlungsleiterin, Pippa Shirley

Sitzungsfreie Zeit bedeutet für einen Abgeordneten im Bundestag nicht arbeitsfreie Zeit. Daher habe ich mich Anfang Juli gemeinsam mit meinem Büroleiter Carl Grouwet und meinem Referenten Paul Schönberger auf den Weg nach Großbritannien gemacht, um dort einige kulturelle Einrichtungen und Organisationen zu besuchen und um Inspiration für neue Projekte in Deutschland zu sammeln.

Der erste Tag startete heute mit einem Gespräch mit Vertretern des National Trust. Der National Trust ist eine gemeinnützige Organisation im Vereinigten Königreich, die seit über 120 Jahren kulturelle Objekte und Landschaften erhält und vor der Zerstörung oder dem Verfall schützt. Dabei gehen viele der verwalteten Gebäude durch Vererbung oder Schenkungen in den Trust über. Durch Mitgliedsbeiträge von über 4 Millionen Mitgliedern und dem ehrenamtlichen Engagement von über 60.000 freiwilligen Helfern werden die Standorte der Organisation verwaltet und gepflegt.

Weiter ging es danach zur Besichtigung des Waddesdon Manor, welches selbst durch den National Trust verwaltet wird. Der dortige Austausch mit der dortigen Sammlungsleiterin, Pippa Shirley, war äußerst interessant. Vor allem die Einblicke in die Finanzierung des Trusts und der einzelnen Einrichtungen war sehr bereichernd.

Am zweiten Tag meiner Reise ging es bei strahlendem Sonnenschein und einem kurzen Morgenspaziergang direkt weiter mit dem von meinem Team vorbereiteten Reiseplan.

Der erste Termin führte mich in den Wrest Park in Silsoe, einem vom English Heritage restaurierten und betriebenen Landschaftsgarten, wo ich mich über den English Heritage informierte. 
Empfangen wurden wir dabei von Dr. Andrew Hann, der uns nach einer kurzen Führung durch den Park einen Überblick über die Arbeitsweise, die Finanzierung und die Einbindung von Mitgliedern gab.

Der English Heritage ist seit 2015 eine eigenständige Wohltätigkeitsorganisation, die sich um den Erhalt und die öffentliche Präsentation eines riesigen Bestandes an historischen Gebäuden und Denkmälern kümmert. Darunter befinden sich berühmte Bauwerke wie das Dover Castle und Stonehenge.

Aufgrund der insgesamt kostendeckenden Bewirtschaftung und der lukrativen Möglichkeit einer Mitgliedschaft, die einem den kostenlosen Zugang zu den verwalteten Bauwerken ermöglicht, halte ich den English Heritage für ein ausgesprochen vorbildliches Beispiel zur Verwaltung und Instandhaltung von kulturellen Einrichtungen.

Der nächste Termin führte uns daraufhin in die Londoner Innenstadt, wo wir mit Martin Drewry zusammentrafen. Martin Drewry war von 1996 bis 2001 General Director des National Trusts und ist derzeit amtierender Präsident des Heritage of London Trust. Durch seine Tätigkeiten in zahlreichen kulturellen Einrichtungen, verfügt er über einen enormen Erfahrungsschatz in der staatlichen Kulturförderung und der Erhaltung von historischen Gebäuden. In einem sehr bereichernden Gespräch konnten wir die kulturelle Förderung und das private Engagement in Großbritannien besser beleuchten und auch interessante Unterschiede zwischen Deutschland und Großbritannien feststellen.

Den letzten Tag meiner Reise verbrachte ich am vergangenen Mittwoch ausschließlich in der Londoner Innenstadt, in der neben zahlreichen Institutionen und Organisationen auch viele kulturelle Einrichtungen ansässig sind.

Der erste Termin führte mich zum British Film Institute, wo ich mich über das britische Filmförderungssystem informierte. Die Briten setzten im Gegensatz zum deutschen Zuschussmodell auf Steuererleichterungen und erlauben qualifizierten Produktionen dadurch eine erhebliche Ra­bat­tie­rung auf zu zahlenden Steuern. Ein durchaus unbürokratisches, aber auch teures System!

Im Anschluss ging es für mich direkt weiter zum British Museum, wo ich mit dem deutschen Direktor, Hartwig Fischer, über die aktuellen Herausforderungen in der kulturellen Szene und die Verschiedenheiten der britischen und deutschen Kulturförderung sprach. Fischer war mehrere Jahre Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlung Dresden und ist daher sowohl mit den deutschen als auch mit den britischen Besonderheiten der Kulturpolitik vertraut.

Die Reise nach Großbritannien konnte meinem Team und mir viele neue Impulse für die zukünftige programmatische Arbeit mit auf den Weg geben und hat wieder einmal gezeigt, wie wichtig es ist, regelmäßig über den Tellerrand hinauszuschauen.