Hartmut Ebbing

Ein Zeichen gegen die Einheitswippe!

In der Landesausschusssitzung am 10. April wurde der Antrag gegen den derzeitigen Entwurf des Einheits- und Freiheitsdenkmals angenommen. Dem Abgeordneten Hartmut Ebbing war es ein besonderes Anliegen, den vom  Bundesfachausschuss Kultur bereits im Sommer letzten Jahres beschlossenen Antrag zu beschließen und dem geplanten Einheits- und Freiheitsdenkmal eine Absage zu erteilen. Jetzt gilt es auf Bundesebene für ein neues Konzept zu kämpfen!

Denn der Platz vor dem Berliner Stadtschloss ist in gleich mehrerer Hinsicht politisch-historisch belastet. So hat der Schlossplatz nicht nur keine große Bedeutung für die Wiedervereinigung Deutschlands, sondern wird eher als das Zentrum des SED-Regimes (Volkskammer, Staatsratsgebäude, Außenministerium der DDR) konnotiert. Zudem ist der Platz ein Symbol der blutigen Märzrevolution 1848, da die Eskalation der Proteste vor dem Stadtschloss stattfand.

Anstelle dieses Ortes kämen unter anderem der Alexanderplatz (Demonstration am 4. November 1989, größte nicht vom Staat gelenkte Demonstration der DDR), das Brandenburger Tor (berühmtestes Motiv des Mauerfalls) oder der Platz der Republik (symbolisch für das Gesamtdeutsche Parlament) für ein Denkmal zur Wiedervereinigung Deutschlands in Frage.

Eine begehbare Wippe, die in eine Richtung kippt, je nachdem auf welcher Seite mehr Menschen stehen, ist kein angebrachtes Symbol der Wiedervereinigung. Das Symbol der Wippe hat immer zwei Lesarten: Einerseits gewinnt der Stärkere und lässt den Schwächeren am langen Arm verhungern. Andererseits kann es auch den Ausgleich zweier gleichstarker Kräfte bedeuten. Ob die Mehrheit aber die letztere Interpretation erkennen wird, ist äußerst fraglich. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Wippe durch das „Ausprobieren“ durch z.B. Touristen zu einem reinen Entertainment-Angebot verkommen könnte. Dies würde die Bedeutung konterkarieren.

Des Weiteren ist das Konzept einer freizugänglichen, also auch nachts begehbaren Wippe ohne Geländer oder andere Sicherheitsvorkehrungen, gefährlich. Sollte es zu einem Unglück kommen, würde dies ebenfalls mit dem Denkmal in Verbindung gebracht werden. Zudem würde es zu deutlich größeren Sicherheitsmaßnahmen führen, die den freizugänglichen Charakter verschwinden lassen würden und somit auch das gesamte Konzept der Künstler.

Auch nur ein kleiner Stein in der Mechanik der Schale könnte zur wochenlangen reparaturbedingten Schließung führen. Das Denkmal würde damit zu einer Dauerbaustelle verkommen.

Ebenfalls ist anzumerken, dass die Beschaffenheit und Form des derzeitig geplanten Einheitsdenkmals in keiner Weise behindertengerecht ist. Fraglich ist, ob z.B. Rollstuhlfahrer die Wippe voll nutzen können. Ist dies nicht der Fall, führt dies zur nicht gewollten Ausgrenzung dieser Gruppe. Zu guter Letzt übersteigen die bezifferten Kosten des Denkmals von inzwischen ca. 15 Mio. EUR das durch den Haushaltsausschuss des Bundestages genehmigte Budget um 7 Mio. EUR. Die Mittelherkunft der jährlichen Betriebskosten von geschätzt ca. 190.000 EUR sind darüber hinaus noch unklar.

Für uns steht daher fest, dass die Form und insbesondere die Größe der Wippe das Hauptportal des Stadtschlosses nur verdecken würde und als Symbol für die deutsche Wiedervereinigung nicht geeignet ist. Daher werden wir mit aller Kraft versuchen, die Umsetzung des Einheitsdenkmals zu verhindern.